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Julia Porzelt's Jahr in der Pandemie - Para-Reiterin berichtet aus ihrem Leben während des Lockdowns.

Als Fortsetzung unserer Artikelserie über die Para-Reiterin Julia Porzelt haben wir noch einmal bei ihr nachgehakt, wie es ihr in letzter Zeit ergangen ist.

Die Para-Dressurreiterin hat mit ihren Pferden Lovely Daintiness und dem neuesten Familienzuwachs Bruno die Runde im Sport gemacht. Wir haben Julia kontaktiert, um ein Update zu bekommen, was sie im letzten Jahr gemacht hat.

Im folgenden Interview mit der beliebten Sportlerin erzählen wir Ihnen von Julias Alltag, ihren Pferden und weiteren interessanten Neuigkeiten. Wir erfahren, warum die Tiere ihr so viel bedeuten und wie menschenähnlich die Sensibilität der Pferde ist. Darüber hinaus berichtet uns Julia über den Stellenwert des Para-Sports in den Medien, über Bewusstseinsfragen, über ihre Ausbildung während der Pandemie, über zukünftige Berufsziele in der Sozialarbeit und in der tiergestützten Therapie sowie über ihre Freizeitgestaltung.

Zunächst haben wir uns nach Julias Tieren erkundigt, mit denen sie ihr Leben verbringt. Außerdem gibt es Zuwachs in der Familie: ihren Hund Feline. Wir fragten sie nach der Interaktion zwischen den Pferden und Feline sowie nach typischen Missverständnissen, die Menschen über sie als Para-Sportlerin haben.

Memmert: In einem anderen Interview diesen Jahres wurde Ihr Hund Feline erwähnt. Wann sind Sie Feline zum ersten Mal begegnet und wie war dieses erste Aufeinandertreffen? Wir sind neugierig, gab es jemals Eifersucht zwischen den Pferden und Feline?

Julia: Feline habe ich bei einem Züchter gekauft und ausgewählt. Dort fand auch der erste Kontakt mit ihr statt und ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen. Da Feline von klein auf im Stall dabei war, gab es keinerlei Eifersucht zwischen den Tieren.

Memmert: Wenn Tiere sprechen könnten, was würden die wilde Daintiness und der hübsche Bruno Ihrer Meinung nach sagen?

Julia: Die häufigsten Fragen wären sicherlich: Wann gibt es endlich wieder Futter? Wann gehen wir endlich wieder im Wald und auf den Wiesen Ausreiten mit einem schnellen Galopp?

Memmert: Gibt es falsche Vorstellungen, welche die Leute über Pferde haben, die Sie gerne teilen möchten, oder vielleicht ein paar weitere Gründe, die beweisen, wie cool Pferde sind, um sich mit ihnen zu beschäftigen?

Julia: Ja, da gibt es mehrere Dinge. Viele Menschen, die sich mit Pferden nicht auskennen, unterschätzen, wie ängstlich und schreckhaft Pferde sein können. Viele können sich nicht vorstellen, dass ein 700 kg-Pferd Angst vor einem Luftballon oder einem Regenschirm haben kann. Das Faszinierende und Coole an Pferden ist, dass sie, obwohl sie so unglaublich stark sind, gleichzeitig enorm sensibel und feinfühlig sein können und auch auf kleinste Kommandos reagieren.

Ein Artikel über die spannende Para-Reiterin ist nie vollständig, wenn man nicht über ihren Sport und ihr Training gesprochen hat. Wir hatten die Gelegenheit, Julia über ihre langfristigen Ziele zu befragen, die Vorstellungen anderer darüber und schließlich Ratschläge für Amputierte, die in diesen Sport einsteigen wollen.

Memmert: Gibt es im Gegensatz zu der Aufmerksamkeit, die der Dressursport in den Medien erhält, Möglichkeiten, die Aufmerksamkeit für den Para-Dressursport zu erhöhen und ihm ein größeres Publikum zu verschaffen?

Julia: Ja, ich denke, dass uns hier vor allem die Neuen Medien große Chancen bieten. Ich persönlich versuche z. B. über regelmäßige Posts in meinem  Instagram-Account auf den Parasport aufmerksam zu machen.

Memmert: Was Ihre Berufswünsche angeht, wo sehen Sie sich in 10 Jahren? Eher im Bereich der Sozialarbeit oder auf internationalen Turnieren im Para-Dressurreiten?

Julia: Mit Para-Sport, selbst wenn er auf internationalem Spitzenniveau betrieben wird, ist es nicht möglich, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Daher sehe ich mich beruflich eher im Bereich der sozialen und der therapeutischen Arbeit, wo ich mich noch fortbilden möchte, wenn es meine Zeit erlaubt. Sehr gerne betätige ich mich nebenberuflich als Reit-Therapeutin bzw. tiergestützte Therapeutin in Zusammenarbeit mit Feline und einem Pferd.

Memmert: Trotz der Pandemie haben Sie weiter gearbeitet und trainiert. Gab es im vergangenen Jahr Veränderungen in Ihrem Training oder Ihrer Routine und wie haben Sie sich auf die Situation eingestellt?

Julia: Das Training war leider für einige Monate komplett unterbrochen, da ich weder die Reithalle, den Reitplatz bzw. den Sportplatz mit Trainer nutzen konnte. Es blieb eigentlich nur das Training alleine.

Memmert: Was sind Ihrer Meinung nach die falschen Vorstellungen, die Leute über Ihren Sport haben?

Julia: Viele Leute denken, dass Reiten kein richtiger Sport und nicht wirklich anstrengend ist.

Memmert: Haben Sie einen Rat für Amputierte, die in den Sport einsteigen möchten?

Julia: Gehe ohne Vorbehalte mit einer offenen Einstellung an den Sport heran, den du gerne betreiben willst und versuche es einfach. Grenzen setzt man sich oft fälschlicherweise zuerst im eigenen Kopf, obwohl vieles auch mit Behinderung möglich ist.

Angesichts ihres außergewöhnlichen Lebens und ihrer körperlichen Verfassung werden Julia häufig Fragen dazu gestellt.

Memmert: Was ist die häufigste Frage, die Ihnen gestellt wird? Sind Sie dessen jemals überdrüssig?

Julia: Die häufigste Frage, die mir gestellt wird, ist was mir passiert ist, sodass ich diese schwere Behinderung habe. Ich denke, dass dies aber ganz normal ist und ich bin dieser Frage noch nicht überdrüssig geworden.

Memmert: Was haben Sie als Mitarbeiter der  Interdisziplinären Frühförderung PUSTEBLUME! bisher von Ihrem Arbeitsplatz gelernt? Was können wir daraus lernen, um mehr Bewusstsein zu schaffen?

Julia: Trete jedem Menschen offen und ohne Vorurteile entgegen. Jeder hat eine Chance verdient. Oft können nur ein paar nette Worte oder aufmerksames Zuhören einem anderen Menschen sehr helfen.

Zum Schluss haben wir Julia nach ihren Freizeitaktivitäten gefragt. Ihre Antworten waren nicht nur bescheiden, sondern auch nachvollziehbar. In Anbetracht der Zeiten, in denen die Welt derzeit lebt, war es beruhigend zu sehen, wie eine Sportlerin über die gleichen alltäglichen Wünsche spricht und Gefühle dazu äußert, was sie zu dem großen Vorbild macht, das sie geworden ist.

Memmert: Irgendwelche Reiseziele und warum?

Julia: Ich möchte möglichst einmal mit Dainty ans Meer fahren und dort am Strand entlang reiten. Außerdem würde ich sehr gerne einmal nach London oder New York reisen.

Memmert: Wir haben die Sportlerin Julia Porzelt kennengelernt, aber wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Verbringen Sie Ihre Freizeit mit Lesen, Musik hören oder schauen Sie Filme, Fernsehsendungen oder spielen Videospiele? Möchten Sie unseren Lesern etwas empfehlen?

Julia: In der noch verbleibenden knappen Freizeit treffe ich mich sehr gerne mit meinen Freunden und verbringe auch Zeit in den sozialen Netzwerken. Außerdem lese ich sehr gerne.

Memmert: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Welt wieder in Ordnung ist, so wie sie jetzt ist?

Julia: Auf die uneingeschränkten sozialen Kontakte, dass man wieder auf Partys, ins Kino und zum Essen gehen kann usw. Und natürlich, dass endlich wieder Reitturniere überhaupt und ohne Einschränkungen wieder stattfinden können.

Inspiriert, mehr zu erfahren?  Hier finden Sie die neuesten Informationen und Updates zu Julias Karriere und ihrem inspirierenden Leben. Behalten Sie unsere Website im Auge für die neuesten Informationen über ihre Karriere, auf die Memmert stolz als Unterstützer ist.